Tabakrundweg Hatzenbühl

Die Geschichte des Tabaks und die Verbindung zu Hatzenbühl

Im Jahre 1492 wurde von Christoph Kolumbus Amerika entdeckt. Er war allerdings, ohne es zu wissen, auf Cuba gelandet. Dort haben seine Seeleute Indios getroffen, welche lange braune Rollen im Mund hielten, aus denen Rauch hervorkam. Die Indios nannten diese Rollen „Tobago“. Es waren zusammengerollte Tabakblätter. Seitdem hat der Tabak seinen Namen.
Der zunehmende Verkehr mit den in Südamerika entstandenen Kolonien brachte den Tabak und das Rauchen nach Europa.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Tabak in Europa als Zierpflanze kultiviert, in verschiedenen Gärten angepflanzt und auch als Heilpflanze zur Linderung verschiedener Leiden eingesetzt. Im Jahr 1565 wurde bereits von dem Augsburger Arzt Adolf Occo das Schnupfen, Rauchen und Kauen des Tabaks als Heilmittel empfohlen. Um 1570 wurde in Lothringen vom Kardinal Karl und seinem Bruder, dem Großprior Franz von Lothringen, der Anbau des Tabaks wegen seiner Heilwirkung gefördert. In dieser Zeit ist wahrscheinlich der Tabak auch in die Pfalz gekommen. Im Jahre 1573 wurde dann zum ersten Mal durch Pfarrer Anselmann, der von 1530 bis 1585 Pfarrer in Hatzenbühl war, Tabak in seinem Pfarrgarten neben der Kirche angepflanzt.

Erst nach dem 30 jährigen Krieg entwickelte sich in der Gemeinde langsam der Anbau zu Erwerbszwecken und bekam ab 1860 größere Bedeutung für die bis dahin weitgehend vom Ackerbau lebende Bevölkerung. Bereits 1836 wurden beim Einwiegen des Tabaks über 1000 Zentner angeliefert. Der Anbau wurde dann sehr schnell zur Haupteinnahmequelle der Bauern und des Dorfes.

Um die Jahrtausendwende wurde bereits auf über 100 Hektar Tabak angebaut. Kurz darauf im Jahre 1909 erfolgte die Gründung des pfälzischen Tabakbauverbandes. Die guten Erlöse durch den Tabakanbau führten zur Ausweitung der Anbaufläche.

Im Jahre 1960 trat plötzlich eine bei uns vorher völlig unbekannte Pilzkrankheit (die Blauschimmelkrankheit) auf. Dadurch wurde die Qualität erheblich gemindert oder der Befall war so groß, dass der Tabak sogar unverkäuflich war. Damit die 500 Pflanzer nicht ihre Existenz verloren, erhielten sie vom Staat für einen Teil des entgangenen Erlöses, für die 179 Hektar angepflanzten Tabak, einmalig eine Ausfallentschädigung in Höhe von 538 000 DM.

Nachdem aber geeignete Bekämpfungsmittel gegen die Pilzkrankheit entwickelt wurden, konnte die Anbaufläche weiter wachsen.
Im Jahr 1972 betrug die Anbaufläche über 260 Hektar und erbrachte den Pflanzern Einnahmen von 4,35 Millionen DM. Zu der Zeit gab es mehr als 300 Tabaktrockenschuppen, von denen heute noch viele erhalten sind, aber zur Trocknung des Tabaks nicht mehr gebraucht werden.

In den Folgejahren nahm die Anzahl der Tabakpflanzer sukzessive ab. Dies führte dazu, daß sich die verbleibenden Betriebe vergrößerten und aus den Familienbetrieben landwirtschaftliche Großbetriebe wurden. Um den nach wie vor hohen manuellen Arbeitsaufwand zu bewältigen, müssen dazu Saisonarbeitskräfte eingesetzt werden.

Mit dem Wegfall der Anbauzuschüsse durch die Europäische Gemeinschaft konnte der Tabak nur noch sehr schwer vermarktet werden. Die Lieferverträge mit den Tabakmanufakturen sind nach und nach ausgelaufen. Folgeverträge konnten keine abgeschlossen werden. Es besteht somit die Gefahr, dass der Tabakanbau völlig zum Erliegen kommt. Mit der Sorte Virgin, welche recht neu für unser Anbaugebiet ist, gibt es jedoch Hoffnung.
Es gibt wieder Nachfrage für Tabak aus Hatzenbühl!

Die Tabaksorte und die Pflanzen

Bei uns in der Pfalz und insbesondere in Hatzenbühl kennen wir im Erwerbsanbau drei Sorten Tabak. Das sind:

Badischer Geudertheimer

Badischer Burley

Virgin

Über Jahrzehnte wurde in Hatzenbühl nur Geudertheimer Tabak angebaut. Er war die ideale Pflanze für die Bauern, weil er auf schwankende Witterungseinflüsse recht unempfindlich reagierte und nach dem Trocknen ein höheres Gewicht brachte. 

Die Pflanze hat bis vor der Reife eine volle dunkle Grünfärbung. Sie wird in einer Höhe  von ca. 150 cm bis 160 cm geköpft und erbringt zwischen 16 und 18 Blätter bei der Ernte. Die Blätter werden mit einer Nadel auf einen Faden aufgefädelt (eingelesen). Das Ergebnis nennt man Bandelier. Diese Bandelier werden im Trockenschuppen aufgehängt, um die Blätter in der Luft zu trocknen. 

Nach dem Trocknen haben die Blätter eine volle Braunfärbung. Der Hatzenbühler Geudertheimer wurde für die Zigarrenherstellung verwendet. Dabei wird der Tabak nicht nur für die Füllung der Zigarren genutzt, sondern auch für deren Umhüllung mit einem besonders schönen Blatt, dem sogenannten Deckblatt. Um immer den gleichen Geruch und Geschmack beim Rauchen für jede Marke zu erzielen, werden beim Herstellprozess   verschiedene Tabake je nach Bedarf gemischt.

Die Sorte Burley wird in Hatzenbühl aufgrund der Nachfrage aus der Zigarettenindustrie angebaut und ist als Pflanze auf dem Acker noch üppiger in ihrer Gestalt. Man erkennt die Pflanze leicht an den hellgrünen bis gelblichen Blättern, die durch ihren geringeren Chlorophyllgehalt entsteht. 

Die Sorte reagiert etwas empfindlicher bei schwankender  Versorgung mit Nährstoffen. Auf den leichten Hatzenbühler Böden und mit Hilfe einer sich über die gesamte Gemarkung erstreckende Beregnungsanlage hat die Pflanze aber beste Wachstumsbedingungen. Sie wird spät auf einer Höhe von ca. 170 cm geköpft und bringt deshalb 18 bis 19 Blätter.

Wie bei der Sorte Geudertheimer werden die Blätter in Bandelieren aufgehängt und in Trockenschuppen durch die Luft getrocknet. Nach dem Trocknen haben die Blätter eine hellbraune Färbung. Sie werden hauptsächlich für die Zigarettenherstellung und in geringerem Umfang für Pfeifentabake verwendet.

Die Sorte Virgin ist in unserer Gemarkung recht neu. Ihr Anbau erfolgt ebenfalls wegen der Nachfrage  aus der Tabakindustrie. Derzeit ist Virgin die einzige Tabaksorte, die in unserer Gemarkung angebaut wird. Auch diese Sorte fühlt sich auf unseren Feldern wohl und bietet den Vorteil, dass sie kaum zusätzliche Stickstoffdüngung erfordert. Die Pflanze entwickelt eine Größe wie die Sorte Burley, hat jedoch dabei mehr Blätter, die aber etwas schmäler und etwas kürzer sind. Sie sind während des Wachstums hellgrün bis gelb und sind nach dem Trocknen im Trockenofen ebenfalls gelb mit leichter hellbrauner Tönung. Virgin wird für die Herstellung von hellen Zigaretten verwendet.
 

Höhepunkt im Tabakjahr

Ein besonderer Höhepunkt im Tabakjahr ist der „Tabak-Einlesewettbewerb“. Jedes Jahr veranstaltet der Musikverein Hatzenbühl am letzten Wochenende im August ein Sommernachtsfest. Der Höhepunkt, dieses drei Tage dauernden Festes ist ein Wettbewerb, bei dem prominente Personen auf traditionelle Weise, Tabakblätter um die Wette mit der Hand „einlesen“. Die Tabakblätter werden dabei auf eine ca. 30 cm lange Nadel aufgespießt und danach auf einen an der Nadel befestigten Faden geschoben. Wenn ein Teilnehmer sein Bündel Tabakblätter aufgefädelt hat wird der Wettbewerb gestoppt. Sieger ist wer zu diesem Zeitpunkt die meisten Blätter auf seinem Faden zählen kann. Der Wettbewerb ist seit 1989 ein überregionales Ereignis.

Tabakkönigin

Seit 2004 wird eine junge Dame des Dorfes zur Tabakkönigin gekrönt. Ihre Aufgabe ist es, die Tradition des Tabaks und seine Bedeutung für Hatzenbühl als bedeutende und älteste Tabakanbaugemeinde Deutschlands zu erhalten und weiter zu tragen. Die Residenzzeit der Tabakkönigin beträgt jeweils drei Jahre. Sie vertritt die Gemeinde Hatzenbühl bei vielen öffentlichen und touristischen Veranstaltungen in ganz Deutschland.